Ein Vorläufer der Installation Der Sarkophag war die Arbeit Jetzt – 1440 Minuten aus dem Jahr 1987, in der Ulrich Bernhardt erstmals einen Fries aus 1440 Weckern in einem ringförmigen Raum anordnete – allerdings im Inneren und nicht an der Außenseite des Raums. Mit dem Titel dieser Arbeit bezog sich Bernhardt auf das 1961 entstandene Gedicht jetzt von Max Bense. Der bis 1976 an der Universität Stuttgart lehrende Bense gilt nicht nur als einer der Vorreiter der Computerkunst und der Technikphilosophie, sondern auch der Konkreten Poesie. In jetzt paraphrasiert Bense eine Passage aus Georg Wilhelm Friedrich Hegels philosophischem Hauptwerk Die Phänomenologie des Geistes von 1807. In dieser beschreibt Hegel die unmittelbare Erfahrung eines Moments, der im Akt der Wahrnehmung bereits vergangen ist. Indem Bense wie Hegel die Zeit auf einen singulären Augenblick, den Zeitpunkt der Gegenwart reduziert, wird das Jetzt aus einem kontinuierlichen Fluss der Zeit herausgelöst.
Anders als Bense und Hegel versteht Bernhardt das JETZT als ein Zusammenfallen von Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart und damit als eine Ausdehnung des Zeitflusses ins Unendliche. Diese Auffassung von Zeit, die auch im Titel der Ausstellung anklingt, ist für Bernhardt ein Kennzeichen sowohl des Zeitverständnisses der Antike als auch der Radioaktivität, deren Halbwertszeiten unsere lineare Vorstellung von Zeit überschreitet....