Die für die Ausstellung neu entstandene Fassung der Arbeit Die Wolke zeigt zwei mit künstlicher Intelligenz bearbeitete Aufnahmen der nuklearen Wolke, die sich nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl am 26. April 1986 über Europa ausbreitete und, abhängig davon, wo und wie stark es regnete, zu erheblichen radioaktiven Kontaminationen der Umwelt führte. Nachdem zunächst von sowjetischer Seite versucht wurde, die Havarie zu vertuschen, wurde die Öffentlichkeit erst relativ spät über das wirkliche Ausmaß der Katastrophe informiert. Die Furcht vor der Gefahr der radioaktiven Strahlung führte in Europa, ganz ähnlich wie später in der Corona-Pandemie, zu einem weitverbreiteten Gefühl der Angst und Unsicherheit.
Ohne zu wissen, dass es sich um die Nuklearwolke handelte, fotografierte Ulrich Bernhardt während einer Wanderung in den Hochmooren des Brecon-Beacons-Nationalparks in Wales im Juni 1986 ein metallisch leuchtendes Wolkenband am Himmel, das wie ein riesiges Zyklopenauge aussah. Erst später erfuhr er, dass es sich bei dem besonderen Himmelsphänomen um die besagte Wolke aus radioaktiven Partikeln handelte.
In seiner Arbeit vertauschte Bernhardt eine der beiden Aufnahmen der Wolke seitenverkehrt, sodass sich ein Medusengesicht mit leeren Augen ergibt. Für Bernhardt stellte sich angesichts der Schönheit der Aufnahmen die Frage, wie heute mit ästhetischen Mitteln globalen Bedrohungen wie dem Klimawandel oder einer radioaktiven Verseuchung begegnet werden kann.+...