Der fotografische Bildfries Das Industriezeitalter besteht aus zwei übereinander geblendeten Schwarz-Weiß-Motiven, der Innenansicht einer Automobilfabrik und Fotografien von entwurzelten Bäumen, den Schäden, die durch eine Serie von ungewöhnlich starken Stürmen und Orkanen im Winter 1989/90 verursacht wurden. Diese gelten als ein früher Warnruf vor den zunehmenden Extremwetterereignissen, die auf den Klimawandel zurückgehen. Für Bernhardt reihen sich diese Orkane, wie auch das Atomunglück von Tschernobyl, in eine Reihe von Katastrophen ein, die den Menschen die verdrängten Folgen des technologischen Fortschritts vor Augen führen.
Für die spezifische Methode seiner fotografischen Doppelbelichtungen verwendet Bernhardt den Begriff der „Chronografie“, des Zeit-Schreibens. Bereits belichtete analoge Filme werden dafür über längere Zeit gelagert und dann ohne das Wissen über die bereits darauf befindlichen Motive erneut belichtet, wodurch überraschende und nicht planbare Überschneidungen entstehen. Für den Künstler sind seine Chronografien vergleichbar mit Palimpsesten, mit mehrfach überbeschriebenen Manuskripten, die als Bildgedichte gelesen werden können: „Ich versuche so, die Zeit in der Fotografie nicht als Moment festzuhalten, sondern sie als ineinandergreifende Zeitebenen darzustellen. Aus diesen sich überlagernden Zeitebenen entstehen epische Bildfriese“....